Schwindelerregende Kordilleren

imageNach unseren fantastischen Naturbeobachtungen im Tortuguero Nationalpark gelangen wir via Siquirres und Turrialba an malerischen Landschaften mit Kaffeeplantagen, Zuckerrohr- und Macadamiafeldern vorbei nach Santa Cruz, am Fusse des Vulkans Turrialba. Von hier aus können wir den noch aktiven Vulkan direkt von der Lodge aus bestaunen.

Nachdem wir heute Morgen von der Atlantikküste losgefahren sind, befinden wir uns nun mitten in den Kordilleren, dem längsten Faltengebirge der Welt. Dieses führt von Alaska bis nach Feuerland. Nach den 35 Grad im Tortuguero Nationalpark (Karibik-Klimazone) sind es hier (Zentrale Hochebene) kühle 10 Grad. Dies werden wohl nicht die letzten Temperatur- und Wettersprünge gewesen sein, gibt es in Costa Rica doch sieben verschiedene Klimazonen!

image Am nächsten Morgen geht es hinauf zum 3432 Meter hoch gelegenen Vulkan Irazu, dem höchsten aktiven Vulkan Costa Ricas. Die letzten paar Meter legen wir zu Fuss zurück und kommen ein wenig ins Keuchen. Die Luft ist schon etwas dünner hier oben. In der Schweiz würden wir uns höhenmässig etwa auf dem Piz Buin oder der Blüemlisalp befinden.

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Von hier aus müsste man an klaren Tagen sowohl den Pazifischen als auch den Atlantischen Ozean sehen. Doch wir sehen nicht einmal in den Krater rein, so neblig ist es. Dafür sichten wir ein anderes, unerwartetes Naturwunder: einen Nasenbär.

Inzwischen hat sich auch der Nebel gelichtet und wir können doch noch in den Krater reinschauen.
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Danach gönnen wir uns einen Zmittag. Im Restaurant “Linda Vista” (zur schönen Aussicht) hat man zwar eine schöne Aussicht. Das Essen schmeckt aber im Vergleich zu den bisherigen Mahlzeiten in Costa Rica nicht besonders. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, warum Costa Rica überhaupt so heisst. Als Kolumbus (den hatten wir doch schon einmal!) bei seiner vierten und letzten Reise in die neue Welt wegen Schiffbruch an Land musste, gelangte er an den heutigen Hafen von Limon, an der Atlantikküste. Er erzählte danach in Spanien, er habe hier in zwei Tagen mehr Gold entdeckt als auf Hispaniola in vier Jahren. Weshalb das Land dann Reiche Küste oder eben auf Spanisch Costa Rica genannt wurde. Die Enttäuschung war zuerst gross, als man das erhoffte Gold nicht fand.

Entsprechend wurde die Kolonie Costa Rica in den folgenden Jahrhunderten eher stiefmütterlich behandelt. Es war eine Zeit, als die Hauptstadt nicht San José sondern Cartago hiess.

Und diese ehemalige Hauptstadt passieren wir gerade.

Erst im 19. Jahrhundert haben die Kolonialherren dann gemerkt, dass in den Gebirgen, auf 1’200-1’800 Metern Höhe, hervorragender Kaffee gedeiht. Einen zweiten “Reichtum” bescherten ihnen dann die Bananenplantagen. Diese sind eigentlich nur als Nebenprodukt zum Kaffee entstanden, da man bei dem für den Kaffeetransport inzwischen notwenigen Eisenbahnbau Nahrung für die Arbeiter brauchte und deshalb Bananen anpflanzte. Obwohl Costa Rica zwar nicht so Reich an Edelmetallen ist, kann es doch mit wundervollen Früchten und anderen Nahrungsmitteln bezaubern. Und schliesslich heisst “rica” auf deutsch ja nicht nur “reich”, sondern eben auch “lecker”!

imageBegleitet von diesen Gedanken erreichen wir am späten Nachmittag San Gerardo de Dota, eine kleine Gemeinde in den Bergen von Talamanca. Umgeben von dichtem Nebelwald locken die grosse Vielfalt an Pflanzen und Bäumen viele Ökotouristen an. Wie schon bei unserer gestrigen Lodge bestehen die letzten Meter der Zufahrt aus einer steilen Schotterpiste. Wir überwinden die rund 1270 Höhenmeter der letzten 5 Kilometer mit unserem 4×4. Und es hat sich gelohnt.

Es erwartet uns ein idyllisches Paradies, mit zahllos herumschwirrenden Kolibris, das uns an Bruchtal erinnert (Anm. aus Herr der Ringe: dieser Drehort war in Neuseeland ja vergleichsweise enttäuschend, da er v.a. im Studio zusammengeschnipselt wurde).

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Auch temperaturmässig werden wir an die kühlen Tage im Süden von Neuseeland erinnert. Bei 10 Grad und einer praktisch nicht vorhandenen Isolierung der Gebäude sind wir froh, dass der Lodge-Angestellte um 17 Uhr den Gas-Ofen anmacht. Morgen werden wir den nächsten Sprung machen. Den nächsten Temperatursprung.

Buenas noches y hasta manana!